"Lost Places" - Historische Gewerbe

Tiedemanns Dampf-Ziegelei

Tiedemanns Dampf-Ziegelei

Tiedemanns Dampf-Ziegelei wurde vor der großen Ziegelei betrieben, die bei Anker stand, und die viele Behlendorfer noch kennen.

Wie die große Ziegelei, so stand auch Tiedemanns Dampf-Ziegelei nah am Kanal, allerdings dort, wo heute noch Tiedemanns Hof liegt.

Das Bild ist, wie man sehen kann, 1904 aufgenommen worden.

Dampf-Ziegelei heißt, dass die Vorbereitung des Materials mit Hilfe von Dampfmaschinen-betriebenen Geräten vorgenommen wurde. Besonders das Zerkleinern des Tons war ohne maschinelle Unterstützung sehr mühselig.

Aber auch das Formen der Ziegel wurde bereits durch die Maschinen unterstützt. Auf den alten Bildern haben die Arbeiter üblicherweise ihr Arbeitsgerät dabei, und hier fällt auf, dass niemand mehr die Ziegelformen oder Streicher dabei hat, wie es auf Bildern älterer Ziegeleien der Fall ist, in denen die Ziegel noch von Hand gestrichen wurden.

Das Brennen der Ziegel geschah zu der Zeit (die Ziegelei wurde wahrscheinlich in den 1820er Jahren geplant und gebaut) üblicherweise im "altdeutschen" Ofen, von denen meist bis zu 4 verwendet wurden, da die Aufheiz- und Abkühl-Phasen mehrere Tage dauerten. Der Vorteil jener Öfen war vor allem, dass sie während des Betriebes weiter mit Brennmaterial versorgt werden konnten, wodurch die Temperaturen besser geregelt werden konnten, als bei älteren Öfen und dadurch der Ausschuss relativ gering gehalten werden konnte.

Das kann man natürlich nicht mit heutigen industrie-Anlagen vergleichen, in denen Ausschussraten kleiner als 1% gefahren werden. In älteren Öfen auf sogenannten Feldziegeleien waren gut und gerne 60-70% Ausschuss üblich, und da war der "altdeutsche" Ofen ein großer Fortschritt.

Ziegeleien dieser Größe schafften im Mittel eine Jahresproduktion von etwa 500000 Ziegeln.


Die Behlendorfer Ziegelei

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Die Behlendorfer Ziegelei ist einige Jahrzehnte jünger als Tiedemanns Ziegelei und war bis 1965 in Betrieb. Auch in der Behlendorfer Ziegelei trieb eine Dampfmaschine die großen Arbeitsgeräte an, und Anfangs wurde auch hier der typische "gelbe Ton" aus den umliegenden Feldern verarbeitet.

Aber der Brennofen war kein "altdeutscher" Ofen, sondern ein Ringofen, der auf dem 1859 patentierten "Hoffmanschen Ringofen" basierte. Diese Öfen steigerten die Produktionsraten enorm, da sie einerseits die Zu- und Abluft sehr effektiv zum Kühlen bzw Wärmen nutzten, und andererseits rund um die Uhr in Betrieb waren. In der Behlendorfer Ziegelei wurden so etwa 12000 bis 14000 Ziegelsteine täglich in den Formaten 5,2 ; 7,1 und "Hamburger Format" produziert. Allerdings konnte in den Wintermonaten nicht produziert werden, weil die noch feuchten Rohlinge Frostschäden bekommen hätten.

Die Funktion eines Ringofens wird hier sehr gut dargestellt: 
Funktion eines Hoffmannschen Ringofens mit 16 Kammern.

Nachdem der Ton aus der Umgebung erschöpft war, sollte der Ton aus den nahe gelegenen Niendorfer Feldern verarbeitet werden. Dabei gab es nur ein Problem: Der Elbe-Lübeck-Kanal war im Weg! Otto Böhnke erwarb damals im Ruhrgebiet eine kleine Seilbahn und liess diese an der Ziegelei wieder aufbauen. Was sich heute ganz normal anhört, war vor fast 100 Jahren eine ziemlich große Herausforderung. Auf dem Luftbild kann man die ganze Seilbahn erkennen. Gut sieht man auch die beiden Gewichte, die zum Spannen der Tragseile dienten. Angetrieben wurde die Seilbahn von einem langsam laufenden einzylinder Dieselmotor mit Verdampungs-Kühler. Wirklich gefährlich wurde es auf der Seilbahn nur, wenn die Seile ausgetauscht werden mussten.

Der übliche Produktionsablauf war:

  • Abbau des Tons im Niendorf mittels Kettenbagger.
  • Transport per Feldbahn bis zur Seilbahn.
  • Transport per Seilbahn über den Elbe-Lübeck-Kanal.
  • Auskippen der Seilbahnloren mit einem typischen, weit hörbaren metallischen Geräusch.
  • Transport in den Kollergang.
  • Zerkleinern, Walzen, Wässern, Kneten und Übergabe in die Presse.
  • Strangpressen und Schneiden (mittels automatischem Messer) der Ziegel-Rohlinge.
  • Transport per Paternoster in die Trockenregale in den oberen Stockwerken, oder
  • Transport in die benachbarten Trockenschuppen (die Trockenzeit war Wetterabhängig).
  • Verziehen (Auseinandersetzen) der Rohlinge.
  • Getrocknete Rohlinge zum Ofen transportieren.
  • Setzen der Steine in der Brennkammer (über Kreuz) und Vermauern der Kammeröffnung.
  • Brennen der Ziegel (genaue Beschreibung kann oben im Link nachgelesen werden).
  • Ausbringen der Ziegel zum Auskühlen auf den Hof.
  • Abtransport Anfangs per Schiff, später per LKW. Dabei wurde Stroh zum Schutz der Steine verwendet.

Die Ziegel wurden je nach Qualität und Härte als Hintermauer-Ziegel, Verblender oder Klinker verkauft. Verkauft wurden sie hauptsächlich nach Hamburg und Lübeck.

Nach dem Krieg wurde auch Geschirr aus Ton produziert, das zusätzlich glasiert wurde, aber ansonsten wurden (anders als in den meisten anderen Ziegeleien der Zeit) nur Steine produziert.

Nachdem die Ziegelei bereits einige zeit stillgelegt war, wurde sie noch einmal verkauft, um dort PleWa-Rohre (Plein-Wagner Söhne) herzustellen, allerdings erwies sich der Niendorfer Ton als dafür nicht geeignet.

Ende der 70er Jahre wurden die Holz-Schuppen abgerissen und ein paar Jahre Später auch der Ringofen. Die beiden Schornsteine standen noch bis Anfang der 90er Jahre, ehe sie gesprengt und zusammen mit dem letzten Schuppen und den Überresten des Wohnhauses abgerissen wurden.


Die Försterei

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"Hofstraße 2", das war für viele Jahre die Adresse der Försterei in Behlendorf. Ein großes Reet-gedecktes Wohn- und Wirtschafts-Gebäude. Bis zum ersten Weltkrieg war dies die Försterei für den "Lübschen Forst".

Der Förster war zu der Zeit eine der angesehensten Personen im Dorf. Er ließ sich kutschieren und in der Kirche saß er zusammen mit dem Guts-Pächter im "Hof-Stuhl", den Bänken, die rechts und links vom Altar standen.

Im ersten Weltkrieg ist das Gebäude als "Krieger-Erholungsheim" eingesetzt worden. Auf dem Foto kann man das weiße Schild sehen, den Schriftzug aber nur erahnen.

Das Gebäude wechselte nach den Kriegen häufig den Besitzer und fiel 1983 vermutlich nach Brandstiftung einem verheerenden Feuer zum Opfer.

Nachdem die Försterei ihren Sitz für einige Jahrzehnte nach Albsfelde verlegt hatte, ist sie seit 1996 wieder in Behlendorf ansässig, nur wenige hundert Meter von der alten Försterei entfernt.

Wer übrigends mal Google nach Behlendorf und Försterei befragt, kann ein schönes Beispiel für die Verbreitung von falschen Informationen in den neuen Medien sehen. Fast alle Treffer erwähnen die "alte Försterei" im Zusammenhang mit dem Haus in der Nähe der Schleuse, in dem Herr Grass heute wohnt. Das passt ja auch gut, und macht sich auch gut in so manchem Artikel. Es entspricht nur leider nicht der Wahrheit. Ein Förster hat wohl in dem Haus gewohnt, nur eine Försterei gab es dort nie.


Das Behlendorfer Gut

Windrad am Behlendorfer Gut

Nachdem das ursprüngliche Gut, das in etwa dort stand, wo heute die Badeanstalt liegt, 1772 abgebrannt war, wurde es an seinem heutigen Platz neu gebaut.

Weitere Infos folgen.

Das Bild des Windrades wurde 1936 aufgenommen. Die Position des Fotografen war ungefähr dort, wo heute der Strom-Mast steht. Die Gebäude auf dem Foto gibt es alle nicht mehr, heute liegt dort eine Wiese, auf der meistens Pferde laufen. Direkt davor und dahinter stehen aber noch Wohnhäuser.

Das Windrad wurde von Daniel Schkale erbaut, der bis 1937 als Stellmacher auf dem Gut arbeitete. Das Gestell des Windrades bestand aus Esche, die Flügelruten aus Rotdorn und die Flügelblätter aus Weißbuche.

Die Funktion des Windrades ist nicht sicher überliefert. Eine Erklärung ist, dass sie zum Antrieb der Werkzuge des Stellmachers diente, was aber aufgrund der Witterungsabhängigkeit zumindest fragwürdig erscheint. Wahrscheinlicher ist die Erklärung, dass das Windrad als Antrieb einer Pumpe diente, die Wasservorräte aus dem zum Gut gehörenden See zum höher gelegenen Gut in Vorratsbehälter förderte.